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Nicht erbost sein -
ein Fall aus dem weiteren Umfeld, alles geregelt
für eine Wohnung im Heim, aber der Vater rief an, dass er alles rückgängig machen will. Kommentar: nicht erbost sein. Derjenige gewinnt, der beherrscht ist. Eine Aussage machen, aber nicht eine Meinung haben. Der alte Vater will alles wieder rückgängig machen? Nein, er verlangt, es ist Verlangen, ist kein Wille. Nach außen sagt der Vater das, es ist aber nicht reflektiert. Er hat sich solange beherrscht, bis alles fertig war und dann ist er zusammengebrochen und selber dement geworden. Das ist nur der Körper, er selber ist damit quasi gestorben. Das ist nicht mehr sein alter Vater. Er könnte sagen: ich bin damit nicht einverstanden. Wenn ihr da wohnen bleibt, werdet ihr verrecken. Das war der ursprüngliche Sinn von Teufelsaustreibungen: dasjenige, was nicht zum Menschen gehört, auszutreiben. Wobei die Kirche das für ihre eigenen Zwecke missbraucht hat. Der alte Vater war mit den Göttern verbunden, jetzt mit der Geistigen Hierarchie, es gibt ihn hier nicht mehr. Maitreya sagt: wir müssen die Dinge selber ordnen. Bist in der Pflicht, dich positiv zu kümmern. Es kommt was, weil du dich kümmerst. Nicht verlangen, sondern Vorschläge machen. Gesetze werden neu formuliert, wenn sie besser sind als die alten Gesetze.


Was ist Geronto-Psychiatrie ? Beim Aufräumen fand ich ein Schreiben
für die Angehörigen: "Geronto-Psychiatrie ist eine Wissenschaft des Alters. Sie beschäftigt sich mit psychischen Erkrankungen, die häufig erst im Alter auftreten. Insbesondere seien hier genannt: alle Arten von Demenzen, Delirien, Schizophrenien, Depressionen. In unserer Gesellschaft wird es in Zukunft immer mehr dementiell erkrankte Menschen geben, welche sehr hoch betagt und dennoch körperlich sehr aktiv sind. Die Geronto-Psychiatrie weist Wege auf, diesen Menschen gezielt zu helfen. Im Vordergrund steht hier: Ressourcen- und Kompetenzorientiert mit den Erkrankten umzugehen."
(Schreiben vom 29. Nov. 2005)


Die Sterbeurkunden
sind inzwischen eingetroffen und es gibt einiges zu bedenken. Nun sitz ich an dem großen Schreibtisch, um die Schreiben zu studieren und zu bearbeiten und die Aktenordner zu befreien, von den gesammelten Werken aus längst vergangenen Zeiten. Man lernt denjenigen nochmal von einer ganz anderen Seite kennen. Sehr gründlich wurde alles dokumentiert und kommentiert, manches auch schon in Hinblick auf die fortschreitende Vergesslichkeit. Seufz.


Danke -
bin so froh, dass ich am Vorabend Gelegenheit hatte, ihm noch eine weitere Tapferkeitsmedaille zuzusprechen. Die letzte Zeit hatte er sich sehr quälen müssen und ich hab ihm immer wieder versichert, wie tapfer er doch sei. Und mir fiel zum Glück dann ein, warum er immer so gezielt nach oben schaute, dahin wo für unsere Augen nichts zu sehen war. Er hat natürlich all die Tapferkeitsmedaillen bewundert, was sonst.


Erlöst - um 10 Uhr kam ein Anruf aus dem Heim.
Am 25. Juli 2015 (begonnen hatte alles im Februar 2002).


Anno 2008 - e
ine Veranstaltung für Bewohner und deren Angehörige des Alten- und Pflegeheims. Es wurde ein Projekt begonnen, um sich besser um die Sterbebegleitung kümmern zu können.

Die Tendenz geht dahin, dass die Menschen immer später erst in Altenheime gehen. Der Gesetzgeber fordert, dass die häusliche Pflege erstmal ausgeschöpft wird. Viele (alle?) Krankenhäuser wurden privatisiert und die Bettenzahl reduziert. Die Patienten der Krankenhäuser werden im Gegensatz zu früher sehr schnell wieder entlassen und oft werden die Schwerkranken im Pflegeheim eingeliefert und versterben dort nach kurzer Zeit.

Das Personal der Alten- und Pflegeheime hat somit immer mehr Sterbefälle zu betreuen. Es fehlte aber bisher die nötige Ausbildung. Das soll anders werden. Und auch das Personal selber bräuchte Unterstützung, bzw. seelische Entlastung, um mit diesen vermehrten Sterbefällen fertig zu werden.
Bin ganz erfüllt von den Referaten und vielen Zwischenfragen.

Auf der Veranstaltung lagen Broschüren aus:
"Wir wissen, dass Mitarbeiter in der Pflege
oft einen außerordentlich großen Selbstanspruch
und hohe Erwartungen an die eigene Belastbarkeit haben.
Das kann zu einer Überbeanspruchung führen.
Deshalb ist es wichtig, die Außenansprüche und die Ansprüche,
die man selbst an sich stellt, gut auszubalancieren.

Um ein Ausbrennen (Burn-out-Syndrom) zu verhindern, ist es wichtig,
das Verhältnis "Anspruch von außen - Selbstanspruch"
und "Belastung - Entlastung" immer wieder zu thematisieren."



Ein Stück Heimgeschichte

In dem kleinen Andachtsraum ist ein neues Foto hinzugekommen. Es ist der freundliche Herr aus dem Büro, zu dem wir von Zeit zu Zeit gingen, um das Taschengeldkonto aufzufüllen. Und der uns die Post aushändigte, wenn die Rezeption unbesetzt war. Und nun ist er nicht mehr. Inzwischen erfuhren wir, dass er mit 47 Jahren schon gegangen ist.


Fundsache vom letzten Jahr

Auf unserem täglichen Spazierweg durch den Gutspark steuerte eine ältere Frau aus einem Nebenweg direkt auf uns zu. Energetisch sehr unangenehm, als wollte sie uns mit einer Lanze durchbohren, aber statt einer Lanze hielt sie uns einen Zettel hin, mit einem handgeschrieben Gedicht. Ich fragte mich,
wo ist jetzt der Haken? Was will sie wirklich von uns. Die Dame wurde eindringlicher und sprach, das sei ein schönes Gedicht und sie hätte es schon gelesen und bräuchte es nicht mehr. Ich ergab mich und nahm der Dame wortlos den Zettel ab. Die Dame sagte dann "bitte schön", als ob ich mich gerade bedankt hätte. Stutz. Sollte das ein Wink mit dem Zaunpfahl sein?

Wir gingen dann in verschiedenen Richtungen weiter. Am Ende des Weges überholte sie uns plötzlich und presste einen weiteren Zettel samt einem Bibelheftchen an meinen Arm. Ich ergab mich wieder und nahm ihr auch das noch ab. Sie sagte: "ich gebe Ihnen das auch noch, weil Sie vorhin so freundlich waren." Stutz. Das war kein Wachturm, sondern eine Bibel Info der Stiftung Genfer Bibelgesellschaft mit der Adresse Romanel s/Lausanne. Infos aus der Schweiz, wie z.B. 50 Jahre Haus der Bibel Basel und Aktuelles aus dem Haus der Bibel Zürich.

Kommentar:
Genf ist hier betont als Sachverhalt, Bibelgesellschaft ist hierbei nicht wichtig. Für Maitreya ist Genf ein wichtiger Ort. Man kann andere Sachen damit abarbeiten. Mit einer Lanze durchbohren? Nicht persönlich nehmen. Katzen können Kumara - Opferbereitschaft (wo ist der Haken). Erinnerung an die auf einen Punkt gerichtete Meditation des westlichen Kaufmanns - alles in dem einen Punkt sammeln, das kann Jahre dauern, bis man ein Symbol erhält.


Wow, wir sind Keimfrei - am 13. Februar war wieder Krankenhaus dran und die Nachricht vom Keim. Aber gestern wurde das Warnschild an der Zimmertür entfernt. Das Gestell mit den drei großen und müffelnden Mülltüten steht nicht mehr im Zimmer. Und der weiße Tisch vorm Zimmer mit Mundschutzkarton, Schutzhandschuhen, Schutzmänteln und Desinfektionsmittel ist ebenfalls verschwunden. Wie neu geboren. Das Zimmer ohne Verkleidung betreten!
Und die Wange tätscheln, Haut an Haut. (29. Mai 2015)


Irgendwas lag in der Luft - mittags wollte ich an der Rezeption nach Post fragen, aber sie hatten schon Feierabend. Im Büro war noch jemand und wollte dann nachgucken. Das rief Bewohner P. auf den Plan. Er rollte zu uns, um leise bis fast unhörbar seinen Wunsch nach einer Flasche Bier kundzutun. Oha! Warum er das denn nicht früher schon gesagt hätte? Er war doch die ganze Zeit in der Nähe, als der Verkaufstresen noch draußen stand.
Und jetzt war alles schon weggeschlossen!

Öhm, sehr ungemütlich. Nix wie weg hier. Ging nicht, der Ausgang war versperrt. Eine Bewohnerin im Rollstuhl wollte rein, hatte aber keine Kraft mehr. Sie reagierte auch anders als sonst, das sah nach einem kleinen Zusammenbruch aus. Der Herr aus dem Büro kümmerte sich gleich um sie.

Und am Abend? Hatte wieder jemand schlapp gemacht, es waren schon
Helfer eingetroffen. Als ich zu meinem Vater ins Zimmer wollte, winkte Frau K. am Ende des Flurs mich zu sich ran: "Bitte setzen Sie sich doch mal zu mir. Nur für einen Moment." Sie war umgeben von Zeitungsseiten und ganz erschüttert, über das, was sie in der Zeitung gelesen hatte. Hamburg muss ja total zerstört worden sein, meinte sie dann. Oh? Wieso das denn? Aber ihr fehlten die Worte. Und ich konnte ihr nur empfehlen, statt einer Zeitung lieber ein Heft mit Fotos der Königskinder zu erstehen.


Badetag -
Es ist schon länger her, dass meine Mutter sowohl am Vormittag als auch am Nachmittag ins Heim ging. Ich werde nie vergessen, wie ich an einem Vormittag ganz spontan zu ihr wollte, um irgendeine Besorgung vorzuführen. Noch im Flur sah ich, wie sie eine Trage aus unserem Zimmer rausrollten, der Körper mit einem weißen Laken zugedeckt, aber der Kopf war noch zu sehen. Uff ! Das große Baden war angesagt und ich war überflüssig und konnte wieder gehen mit meinen tollen Gefühlen.
Ein schönes Beispiel von Läuterung.


Unser Zimmer liegt ein kleines Stück um die Ecke, aber dann geht`s
nochmal um die Ecke, zu einem Zimmer im allerletzten Winkel. Der dortige Bewohner ist neulich hinübergegangen und inzwischen wurde das Zimmer schon 2x neu belegt. Der jetzige Herr findet sein Zimmer meistens nicht wieder. Er fragt die anderen und dann wird ihm gesagt, sein Zimmer ist in der Ecke. Ja, aber dann will er bei uns rein. Nur ohne Chip geht das nicht mehr. Wir haben doch wieder den Keim und das Zimmer darf nicht betreten werden von den Verirrten und Verwirrten.

Die liebe Frau K. rief mich neulich mit Hilfe ihrer Hände, die sie flehentlich wie zum Gebet gefaltet hielt. Ihre Zimmertür war wie meistens geöffnet und sie saß auf dem Toilettenstuhl, allerdings auf dem Deckel und noch voll bekleidet. Als ich vor ihr stand sagte sie: Bitte befreien Sie mich von dieser Hast.


Oh je - wie soll man bloß umgehen mit dem Verhalten, z.B. der älteren Dame, die wir letzte Woche erstmalig auf dem Flur trafen. Sie wollte unbedingt mit uns in den Fahrstuhl steigen, als wir nach Hause strebten. War sie wirklich nur zu Besuch da gewesen? Hatte sie wirklich nur ihre Tochter besucht? Nein, leider nicht. Man wollte sie nicht in ihr Haus lassen, die haben ihr die Schlüssel weggenommen, erzählte sie uns. Aber sie wird zur Polizei gehen. Sowas kann man mit ihr nicht machen. - Und heute trafen wir sie wieder. Eine Schwester war gerade dabei, sie und eine weitere Bewohnerin ins Zimmer zu begleiten. Das wollte die besagte Dame aber auf keinen Fall: fassen Sie mich nicht an! Lassen Sie mich los! Sie denken wohl, ich bin blöd. Ich werde die Polizei holen. Und lassen Sie mal die beiden durch (sie hatte uns erblickt). Nein, die beiden wollen hier gar nicht durch, die werden jetzt mit dem Fahrstuhl fahren, erklärte die Schwester. Genau, wir fuhren mit dem Fahrstuhl und fragten uns, ob die Schwester die Nerven behalten würde.


Thema statt Drama
- ins Krankenhaus eingeliefert? Isolation und Schutzkleidung? Etwa schon wieder der doofe Keim? Diese günstige Gelegenheit. So konnten wir gleich mal den neuen Fahrstuhl auf dem Bahnsteig ausprobieren. Unser Bahnhof ist jetzt barrierefrei. Yeah.


Am Abend des verrückten Donnerstags wurden wir von einer alten Dame begleitet, die ihre Schwester im Heim besucht hatte. Die Dame wusste gar nicht genau, wo sie war und wir nahmen sie mit. Sie konnte kaum laufen, weil ihre Füße so weh taten und sie kippte immer zu den Seiten weg. Plötzlich hatte ich eine Idee und die Dame hielt sich an dem einem Rollatorgriff mit fest. Wow! Da ging`s besser. Sie hat zwar einen Rollator im Keller stehen, der aber viel zu schwer ist und niemand kann ihr tragen helfen. Aber mit Stock mag sie noch nicht gehen, vielleicht später. Sie ist doch erst 84 Jahre alt. Kommentar: die Menschen sind ja so toll und verleugnen lieber, wenn sie einen Stock brauchen. Du bist in der Pflicht nüchtern zu bleiben. Erlebst lauter sentimentale Geschichten in deinem Umfeld. Wer nicht nüchtern bleibt, landet auf Nialba, dem Planet der Leiden. Undank ist der Welten Lohn. Wirst gehasst, weil du die Sentimentalität in Frage stellst. Weil du das Wunschbild von dir selbst nicht bestätigst. Solche Unerquicklichkeiten haben wir jetzt.


*

Inzwischen wurde sogar eine Gürtelrose durcherfahren und überlebt. Zuerst war es eine rote Stelle auf der Stirn, zog nach unten und bedeckte Nase und den linken Augenbereich. Das rechte einzige Auge blieb verschont und er konnte die Welt, bzw. sein Umfeld weiterhin betrachten. (Sept. 2014)


*

Wir vermissen den alten Herrn, der selber kaum noch gehen konnte, der aber regelmäßig seine Bekannte im Heim besuchte. Er hatte keinen Chip, um durch die Nebeneingänge reinzukommen und wir fragten ihn, warum er nicht zum Hausmeister geht, um sich einen Chip geben zu lassen. Nein, er bekommt keinen, weil sie nicht verheiratet sind. Huch? Und wir vermissen auch Vadder und Sohn. Quatsch, da ist ein Mann, der seine Mutter im Rollstuhl durch die Gegend fuhr. Für uns waren das Vadder und Sohn. Wo sind sie? (Aug. 2014)

Nachtrag vom Februar
Auf unserem Heimweg hatten wir ein kleines Erlebnis. Wir gingen an wartenden Autos vorbei, weit und breit kein Fußgänger, da tauchte wie aus dem Nichts ein Mann neben mir auf, als wäre er pardautz vom Himmel gefallen. Hab mich so erschrocken und ganz abrupt zu ihm umgedreht, was sonst gar nicht meine Art ist (ich warte eher ab und beobachte das aus dem Augenwinkel). Zunächst ging er weiter, kehrte aber wieder um und zeigte mit dem Finger auf meine Mutter und sagte ganz dramatisch zu ihr: "Das Eine will ich Ihnen sagen! Sie denken, Sie sind abgeschrieben. Aber das sind Sie noch lange nicht. Sie sind die Zukunft !!!" Dann ging er forschen Schrittes voran, zielgerade über eine vierspurige Straße - die Fußgängerampel zeigte ROT.

Sauber im Konflikt -
Es gab wieder eine Begegnung, neulich mit einer Dame und einem Bibelheftchen und diesmal mit zwei Mormonen (wie immer in weißen Hemden). Wir waren fäddisch von den Heimerlebnissen. Den ganzen Nach-
mittag war das Röcheln zu hören (wieder alles verschleimt) und bei den Hustenanfällen kam es gleichzeitig unten raus - der Geruch war sehr unangenehm.

Weit und breit kein Personal zu sehen. Die waren in den Zimmern mit Essen anreichen oder schon mit Leute ins Bett bringen beschäftigt. Schweren Herzens gingen wir irgendwann und hinterließen ein weinendes Häuflein Elend. Aber zuletzt trafen wir doch noch eine Schwester, die eine Bewohnerin im Schlepptau hatte und die versprach, sich anschließend zu kümmern.

An der Ampel bogen wir noch ab zu einem Bastelladen, um die Schaufenster anzugucken und die Heimerlebnisse dabei zu verarbeiten. Wir standen völlig ins Gespräch vertieft und diesen Moment wählten die beiden jungen Männer, um uns anzusprechen. Nein, danke. Das Visitenkärtchen wurde nach Berlin geschickt. Das Bibel Heftchen auch, zusammen mit dem Berner Boten.
Ein DIN A 5 Umschlag hat viel Platz.

Kommentar vom Onkel: die Mormonen sind insgesamt seriös. Zwar nicht das Ultimative, aber sie halten ihre Kontakte sauber im Konflikt. Ja, danke.
Der Status von vor 40 oder 100 Jahren hat sich nicht geändert, aber bewahrheitet.

Die Prüfung bestanden! -
Oha, wir sind schon ein halbes Jahr weiter und inzwischen gab es wieder einige Herausforderungen. Momentan ist die Betreuung hervorragend, weil ein Lehrling demnächst die praktische Prüfung in unserem Zimmer abhalten wird und sich seit einiger Zeit mit allem dort vertraut macht. Der Keim ist zum Glück überstanden, es ist keine "Verkleidung" mehr erforderlich. Uiuiui ... hab mal alle Einträge gelesen und einige Tippfehler beseitigt (5. März 2014)

Am 3. Oktober
wurde er zum Röntgen ins Krankenhaus gebracht. Der rechte Oberarm knirschte so seltsam. Aber die Röntgenbilder zeigten nur alte Frakturen. Das Krankenhaus fragte, was zu tun sei. Zurück ins Heim! Der Arm färbte sich noch grün und blau und es gab einen ähnlichen Fall im Heim, wo die ganze Körperhälfte grün und blau war. Was denkt der Mensch als erstes? Sie wären verprügelt worden. Aber das wollen wir mal ausschließen. (2013)


Nun haben wir das zwölfte Jahr und es sah schon einige Male nach einem Ende aus, aber dann hat er sich doch wieder berappelt. Der letzte Coups war eine nächtliche Einlieferung ins Krankenhaus, obwohl wir das nicht mehr wollten. Es war die gereizte Speiseröhre, aber nach über einer Woche kam er mit dem berüchtigten Krankenhauskeim wieder ins Heim zurück. Zusätzlich war eine Hand blau und aufgepumpt wie ein Luftballon, nachdem ihm eine Blutkonserve verabreicht wurde.




Das zehnte Jahr gehen wir nun ins Heim und es ließen sich Bände füllen mit dem, was wir tagtäglich dort und auch auf den Wegen dorthin und zurück erleben. Aber die Ernüchterung hat eingesetzt. Was immer geschieht, wir entschärfen es mit dem Spruch: Es gibt schlimmeres. Und beobachten die Neuzugänge und die manchmal sehr eifrigen Angehörigen. So fing das damals bei uns auch an. Als gäbe es nur unseren Fall, aber es gibt zuviele Fälle und das Pflegepersonal ist immer überfordert.

Im Gutspark
trafen wir wieder eine der Küchenfeen aus dem Heim. Sie hatte Feierabend und guckte etwas ängstlich nach oben. Ja, am Morgen hatte ein Rabe sie "angegriffen" - er war auf ihren Kopf zugeflogen. Auf dem Rückweg erlebte ich dann, wie ein Rabe von hinten über meinen Kopf hinweg schoss und dabei meine Haare streifte, um anschließend in einen Baum zu segeln.
Hab das in die Kategorie Rabensegen eingestuft, hihi ...

Ein Umzug  -
Nach längerer Pause werde ich auch hier mal wieder schreiben. Die Bewohnerin mit dem verlorenen Schlüssel musste ihre Wohnung aufgeben. Eines Tages sahen wir sie bei uns auf der Pflegestation, sogar in unserer Ecke in ein Zimmer gehen. Und sie meinte, hoffentlich kann ich bald wieder in meine Wohnung zurück. Aber das Namensschild bei den Wohnungen verschwand eines Tages. Sie hat nun auf der Pflegestation ihr neues Zuhause.





Die Nabelschnur
- eben las ich nochmal die Geschichte von den Zwillingen
im Mutterleib und mir fiel ein, dass die Sondenkost der Pflegebedürftigen auch durch eine Nabelschnur zugeführt wird.

Gewitter und die verlorenen Schlüssel -
Heute wollte ich gleich den ersten Eingang benutzen und nicht durch den Innenhof gehen. Vor diesem Eingang saß eine Bewohnerin auf ihrem Rollatorsitz. Vor ihr kniete ein junger Mann, der in ihren Taschen nach ihren Schlüsseln suchte. Huch? Ja, ehrlich - Sie können mich durchsuchen, sprach er, ich hatte der Dame meine Jacke gegeben, wegen des starken Regens und sie nur zum Heim begleitet. Aber jetzt sind ihre Schlüssel weg. Plötzlich fischte er die Schlüssel aus einer Jackentasche, zusammen mit drei Euro. Na, Gott sei Dank. Die drei Euro sollte er zum Dank für die Begleitung behalten. Er freute sich. Denn er war Hartz IV Empfänger und entsprechend knapp dran zum Ende des Monats. Die Dame wollte ihn auch gerne zu einer Tasse Kaffee einladen. Aber er musste noch ganz nach Lübeck, mit seinem Fahrrad und schwang sich auf selbiges, um mit leuchtenden Augen davon zu fahren.

Eine Vertretung -
eine Vertretung wurde angekündigt. Leider ging ihr kein guter Ruf voraus. Der Urinbeutel war voll und sie wollte ihn erst bei der nächsten Lagerung leeren. Es gab wieder Fälle im Haus, wo "Vermummung" erforderlich war und sowohl Wäsche als auch Müll getrennt entsorgt werden müssen. Irgendwie konnte diese Vorsichtsmaßnahme aber nicht landen bei ihr. Heute erging ihr Befehl: "nun machen Sie mal das andere Auge auf, was soll das denn." (Anm.: eine leere Augenhöhle). Meine Mutter blieb gelassen: den Gefallen wird er ihnen nicht tun können. Das Auge hat er im Krieg verloren.

So wenig Personal - Oh, Mann, mit so wenig Personal müssen die Pflegeheime auskommen. Am Freitag sollte der Urologe einen neuen Blasenkatheter legen, hat er aber nicht. Trotz dicker Verpackung schwamm das Bett davon. Außerdem fing das Röcheln wieder an, der Schleim sollte abgesaugt werden, es kam aber ein Notfall dazwischen und verhinderte das. Die Bewohnerin von schräg gegenüber rollte in die Zimmer und beschimpfte alle aufs heftigste. Die Schwester musste überall die Medizin verteilen und gleichzeitig bei einigen noch das Essen anreichen. Meine Mutter sitzt von halb drei bis um sechs am Bett, hält Händchen und hilft und tut, was sie kann.
Ihr lieben Engel, bitte unterstützt die Betroffenen. Danke.




Personen, Distanzieren und Distanz - Helfen wo man kann ist Pflicht (Kant). Wenn eine Person eine Person ist, dann kann man sich, weil die Person eine Person ist, nicht von der Person distanzieren. Distanz ist eine innere Haltung der Höflichkeit. Werwolfgewalt in seinen alltäglichen Verhältnissen ist immer Apokayptischer Pfusch. Man hilft anderen im Alltag, wie es einem begegnet und dann hat der Tag 24 Stunden und wenn man kollabiert und physisch zusammenbricht, dann kann man über etwas mehr Pausen nachdenken. Helfen ist keine Frage, das muß man willentlich mit seiner eigenen Energie und zwar mit aller Energie anfassen. Die Frage ist, was man kann und was man nicht kann, ohne dabei auf oberflächliche Mystik (Gefühl!) hereinzufallen. Gefühl ist für die Reflexion (mit x) da und nicht für das Sozialverhalten.

Dukkha/Verhaftetsein -  wenn man in seinem Alltag an Dingen verhaftet und so nicht sein Leben mittels Tugend beherrscht, kann man nicht die Dinge von anderen Personen wahrnehmen, weil es man es schlicht nicht können kann.  Moralischer Aussagen über andere Personen muß man sich dann entheben. Man spricht immer zur Sache und nie zur Person. Statt des Namen sagt man: Dieser Sachverhalt hat dieses Dasein und jene Lösung. Und kann dann dabei nicht anders, als an den bestimmten Sachverhalt zu denken. Den bestimmten Sachverhalt hält man aber esoterisch und entzieht so den Problemen auf der anderen Seite die Energie.
 
"Hände die helfen sind wertvoller als Lippen die beten." (by Satya Sai Baba)


Am Sonntag war Kampftag. Das Zimmer liegt am Ende des Flures und da verteidigt Bewohnerin Frau B. ihr Revier.  Sie mag ihren Zimmernachbarn nicht und sobald er aus der Tür tritt, erlebt er sein blaues Wunder.  Ich hörte das Brüllen schon im Treppenhaus und dachte zunächst an HSV-Fans auf der Straße. Der Klügere gab nach, in diesem Falle der neue Zimmernachbar. Mit einem verschmitzten Lächeln rief er Frau B. im Weggehen noch zu:
ich finde sie trotzdem sehr süß. (1.5.2011)


Samstag beim Einkauf sah es nach Umbruch aus. Eine große Leiter und zwei Arbeiter, überall rote Schildchen mit Sonderpreisen und eigentlich nur eine weitere Kundin, aber wir machten immer an derselben Stelle Halt. Mal umrundete sie mich und mal umrundete ich sie. Als ich zum Schluss nicht vorbeikommen konnte, lachten wir und sie zeigte mir ihren Einkaufskorb mit der Bemerkung: "alles für meine Mutter. Sie liegt im Heim und ich muss auf die Preise achten, aber hier ist es sehr günstig."

Und dann erzählte sie mir die ganze Geschichte, wie ihre Mutter zuletzt nicht mehr konnte und dann im Heim bleiben wollte, noch einen Schlaganfall bekam und jetzt auf den Rollstuhl angewiesen sei. Ich war so baff und immer kurz davor, von unserem Fall zu berichten, aber nein, das passte nicht. Die Sache war rund, so wie sie war - wir wünschten uns alles Gute und gingen unserer Wege. (30.4.2011)




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Rettungswagenfahrer sind keine Heiligen, sondern auch nur Menschen mit den üblichen Stärken und Schwächen. Wir hatten mal den Fall, dass wir ein etwas entfernteres Krankenhaus ansteuern wollten, weil da kurz zuvor die Magensonde gelegt worden war. Oha, der Fahrer war sauer und fuhr über sämtliche Hindernisse, die er finden konnte. Und gestern? Da überquerten wir eine breite Straße bei grüner Fußgängerampel und rechts auf unserer Höhe gaben plötzlich zwei Rettungswagen Gas, als wollten sie sich selber einen Einsatz verschaffen, indem sie uns über den Haufen fahren würden. Das Blaulicht wurde aufgedreht, so laut wie ich das noch nie zuvor vernommen hatte (wohlgemerkt - sie steuerten geradewegs auf eine Rollatorfahrerin zu, die ich begleiten durfte).


Zuwenig Personal - die Personalbemessung wird immer knapper. Frau Nachbarin aus dem Nebenzimmer wartete immer noch auf ihre Spritze, die sie eigentlich vor dem Abendbrot bekommen sollte, aber ihr Abendbrot war längst aufgegessen. Sie rollte ins Schwesternzimmer und wir hörten, wie sie sagte: wenn ich sterbe, klingel ich aber.


Das Ende des Lebens ist auch Leben - In dem Bestseller "Der alte König in seinem Exil" verarbeitet Arno Geiger die Alzheimererkrankung seines Vaters. Zitat: 'Die strahlenden Gesichter, die sind für ihn wichtig. Über die Jahre haben wir gelernt, dass weiterhin etwas wie Normalität möglich ist. Und auch Glücksmomente.'

http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,745909,00.html


Am Montag - Es hatte tagelang geregnet, aber plötzlich schien die Sonne und in einem Vorgarten sahen wir einen leuchtenden Busch, der war voll erblüht mit diesen zarten gelben Filigranblüten ... von einer Zaubernuss?
Im Innenhof des Heims rollte eine Bewohnerin ganz aufgeregt auf uns zu
und zeigte uns einen Busch, an dem sich schon die ersten Kätzchen zeigten. Wie kann das sein ? Nach tagelangem Regen ohne Sonne. Meine Mutter wusste warum: weil sie soviel getrunken hatten, hihi ...  jedenfalls kam mir
die Erleuchtung: so wie diese Bewohnerin sollte man durchs Leben gehen,
mit freudigen und offenen Augen, was braucht es mehr?

Ein Absturz - überm Bett hing diesen Winter Rudolf mit der roten Nase. Den hatten wir mal aus Berlin mitgebracht. Aber eine Schwester "beschwerte" sich scherzhaft: solange Rudolf da noch hinge, könne es keinen Frühling geben. In einem Lotto und Zeitungsladen unserer Wahl suchten wir einige Zeit bei den Schlüsselanhängern nach einem passenden Tierchen und entdeckten u.a. einen Teddy, der ein rotes Herz hielt, aber es sollte lieber der rote Glückskäfer sein. Ich wollte den Teddy dann für mich nehmen, hab beides geschnappt und ging zur Kasse. Das ergab einen Absturz - sowohl die elektronische Kasse, als auch der Lotto-Computer stürzten in dem Moment ab und der Kassierer musste für beides einen Neustart machen.

Das Taschengeldkonto - da holen sich z.B. Friseur, Fußpflege oder der Apothekenlieferant ihr Geld. Von Zeit zu Zeit gingen wir ins Büro, um den Kontostand zu erfragen und Geld einzuzahlen. In letzter Zeit gab es Probleme, teilweise bedingt durch einen Namensvetter, was einige Male zu Verwechslungen führte. Und teilweise durch einen Personalwechsel. Zuletzt waren wir Stammgäste im Büro, wegen fehlender Zahlungsbeläge. Neulich erhielten wir die rote Karte, die festen Sprechzeiten wollten berücksichtig werden. Eine Stunde morgens und eine Stunde mittags. Auweia! Aber inzwischen konnte alles geklärt werden.




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*
Heute sahen wir im Innenhof des Heims einen Pfleger mit einem Bewohner auf vier Beinen Gassi gehen. Der Hund gehört einer Bewohnerin, die neulich auf der Pflegestation eingeliefert wurde. Er ist schon alt und bekommt auch seine Tabletten und hat einen richtigen Vertrag mit dem Heim. Und das Pflegepersonal ist verpflichtet, mit dem Hund Gassi zu gehen. Wau !

*
Die Pullover und T-Shirts wurden so nach und nach hinten aufgeschnitten, um dem Pflegepersonal das An- und Ausziehen des Pflegebedürftigen zu erleichtern. Der blanke Rücken auf dem kalten Laken? Kann das auf Dauer gutgehen? Und wenn er auf der Seite liegt? Dann leuchtet das blanke Fell. Amen. Mein Gedanke neulich: die kleinen Puppenmütter lernen schon das mühsame An- und Ausziehen von reglos daliegenden Gestalten.

*
Auf unserem Heim-Weg hörte ich heute ein spezielles Geräusch, schnell stehengeblieben und mit Argusaugen umhergeblickt - tatsächlich: ein Eichhörnchen! Nein, sogar zwei und sogar total dunkle, fast schwarze. Und sie spielten Fangen, indem sie spiralförmig den Baum rauf und runter rasten. Das sah aus wie eine Ballettvorführung und ließ mein Herz höher schlagen ... 

*
am Montag entdeckten wir wieder den Abdruck einer Hand, wie wir ihn von Maitreya kennen. Diesmal war er außen an der Zimmertür. Vor längerer Zeit war mal ein Abdruck an der Schranktür und später an der Fahrstuhltür. *schauder*






Igel oder Katze? Als wir heute zur Pforte kamen, stand da ein Heimbewohner im Rollstuhl und neben ihm hockte eine Begleitperson. Möchten Sie hier durch oder an uns vorbei? wurden wir gefragt. Während wir durchgingen wurde dann der Heimbewohner befragt: wollen wir gleich Schach spielen? Später, erstmal sollten die Fingernägel gemacht werden. So rollten wir dann gemeinsam durch den Innenhof. Da ich den Schlüssel für die Glastür hatte, ging ich vorweg und sah ganz hinten ein Tier über den Rasen huschen. Etwa eine Ratte? Nein, ein Igel. Boh, der war aber groß und hatte es sehr eilig. Die Begleitperson wagte zu behaupten, der Igel sei so groß wie eine Katze. Schnell nochmal umgedreht ... tatsächlich, die Begleitperson hatte auch eine Igel-Frisur.

 

*
Am Sonntag wollte eine Besucherin einen Waschlappen haben, um ihrem Angehörigen ein wenig Kühlung zu verschaffen. Es gab keine Waschlappen mehr, nur noch Handtücher. Aber heute hatte die Pflegekraft extra einen nassen Waschlappen hingelegt, damit meine Mutter zwischendurch mal für Erfrischung sorgen konnte.

* Allgemeiner Unmut. Strenge Unterscheidung zwischen Examinierten und Nicht-Examinierten. Das, was die Nicht-Examinierten früher alles selbstverständlich mitgemacht haben, dürfen sie jetzt nicht mehr selbstverständlich mitmachen. Der Status einer Hilfskraft wird damit aufs empfindlichste unterstrichen.

* Gestern war irgendwas Größeres im Gange. Wir wissen nicht genau, ob es eine routinemäßige Kontrolle war. Es kam uns wie eine Razzia vor. Überall wuselten Unbekannte in den Gängen und Zimmern, machten sich Notizen, räumten was um und stellten Fragen. Es gab sogar eine fristlose Kündigung. Am nächsten Tag sollte es noch weiter gehen. Wow, es tut sich was.

* Neulich bemerkten wir, dass an der Fahrstuhltür zwei Handabdrücke prangten. Aber die Finger zeigten nach unten. Genau solche Abdrücke
waren auch im Zimmer am Schrank, wie wir dann erfuhren.



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Es ist schön hier - Wir fuhren mit einer Heimbewohnerin im Fahrstuhl. Sie strahlte uns an und sagte: es ist schön hier. Meine Mutter daraufhin: aber draußen ist es zu heiß. Es war aber gar nicht der kühle Fahrstuhl gemeint, sondern, dass es im Heim so schön sei. Es gäbe ja immer welche, die was zu meckern hätten - aber wer weiß, wie es bei denen zu Hause aussah.

Über den Dächern - Gestern gab`s die volle Dröhnung. Vor unserem Zimmer kletterte ein Mann aufs Dach und wollte runterspringen. Das Zimmer liegt im 1. Stock mit einer Art Balkontür, es gibt keine einzelnen Balkons, sondern eine durchgehende Fläche vor sämtlichen Zimmern. Flink wie ein Wiesel zog der Mann einen Balkontisch an das höher gelegene Vordach und kletterte hoch, stolperte dann aber mehrfach über eine quer gespannte elektrische Leitung.

Meine Mutter holte Hilfe und ein Pfleger kam sofort und kletterte auch aufs Dach, aber als der Mann ihn sah, stieg er auf ein zweites noch höher gelegenes Dach. Der Pfleger folgte ihm und hielt ihn fest, er war schon wieder hingefallen. Dann sollte Polizei und Feuerwehr gerufen werden. Der Flüchtling forderte bestimmte Leute bei Polizei und Feuerwehr an, die würden ihn schon kennen.

Erstmal kam die Pflegedienstleiterin mit einem weiteren Pfleger, die lösten den ersten Pfleger ab und beruhigten den Flüchtling und brachten ihn dazu, mit ihnen zu kommen, runter von den Dächern und in sein Zimmer. Als der erste Pfleger gefragt wurde, wie denn das passieren konnte, winkte er ab, er wisse von nichts, sie sollten meine Mutter fragen.  

Einen Platten - Heute kurz vorm Heim auf der Holzbrücke, die über den kleinen Bach im Gutspark führt: erst versperrte eine alte Dame samt Rollator den Weg, dann kam plötzlich ein Passant mit einem wild an der Leine ziehenden Hund auf uns zu. Sein Fahrrad lehnte am Brückengeländer - es hatte einen Platten. Der Hund bellte wie verrückt den Rollator an.

Der Passant erklärte der Dame, dass sein Hund sowas nicht kenne und der würde sowieso grad etwas verrückt spielen, weil der Reifen so laut geplatzt war. Der Hund hatte sich so sehr erschrocken und war weggelaufen. Der Passant schnappte sein Fahrrad, um es nach Haus zu schieben - der Hund zerrte mächtig an der Leine, sah sich aber immer wieder nach dem bösen Rollator um. Die Dame kommentierte das Ganze so: wer sein Rad liebt, der schiebt.







Das Thema Demenz -
es gab auch mal Abende für die Angehörigen - das ist aber schon lange her. Auf einem dieser Abende hörten wir einen Vortrag zum Thema Demenz. Ich hatte mir anschließend Notizen gemacht und bin wieder über diese Notizen gestolpert:

Klar haben sie mit ihrer Vergesslichkeit zu "kämpfen". Zumal wenn ihre Umwelt, bzw. ihre Angehörigen meinen, sie müssten Gedächtnistraining mit ihnen veranstalten. Dann merken die Demenzkranken, dass sie überfordert sind und leiden darunter. Daher ist es so wichtig, ihnen möglichst angenehme Situationen zu verschaffen und z.B. nicht zu fragen, was sie denn zu Mittag aßen, denn das können sie nicht erinnern.

Sehr gerne behaupten die Demenzkranken, man habe sie bestohlen, wenn sie ihre Sachen nicht wiederfinden. Dann ist es taktisch klug, den Spieß umzudrehen und quasi selber zuzugeben, man sei so zerstreut und habe vergessen, wo man die Sachen abgelegt hätte, um dann die Hilfe des Anklägers in Anspruch zu nehmen, der dann sogar gerne beim Suchen hilft. Der Vortrag wurde von einem Arzt gehalten, der zwar in den Ruhestand gegangen ist, aber immer noch Demenzkranke betreut. Und dann war da noch die Geschichte mit den Champagnertrüffeln ...

der Geschmackssinn funktioniert bei alten Leuten nicht mehr richtig. Alles hat eher einen bitteren Geschmack. Und sie würden unmerklich verhungern, da ihnen nichts mehr richtig schmeckt. Die Speichelbildung hat extrem nachgelassen und die Nahrung bildet im Mund eine einzige trockene Masse. Eine Ausnahme sind Torten und Süßigkeiten. Der besagte Arzt nimmt immer Champagnertrüffel zum Verteilen mit. Die werden von allen sehr gern gegessen!

Die Demenzkranken fühlen sich "sauwohl", weil sie denken, dass sie so ca. 25 Jahre alt sind. Sie leben nach dem Lustprinzip, völlig enthemmt. Sie vergessen alles, sind daher nicht nachtragend und machen sich keine Sorgen um irgendwelche Konsequenzen ihres Tuns und ihrer Handlungen.

Eigentlich müssten die Angehörigen therapiert werden, weil sie  nicht damit fertig werden, dass es plötzlich so ist, wie es ist. Man sollte den Demenzkranken einfach ganz viel erzählen, ihnen quasi sein Herz ausschütten, dann fühlen sie sich kompetent, als würden sie noch gebraucht werden und sie versuchen, den "Gesunden" zu helfen. (und man würde gleichzeitig das Geld für den Therapeuten sparen, hihi ...) 

Die Leute fragen immer, ist es schon Alzheimer oder ist es nur Demenz? Dabei verhält es sich umgekehrt: Alzheimer ist nur eine von vielen körperlichen Ursachen für die Demenz. Die Demenz bildet quasi das Schlusslicht.
(Ende meiner Vortragserinnerungen)


Im Innenhof - Heute Abend war ich etwas spät dran und hab die Abkürzung durch den Innenhof genommen. Beim Magnolienbaum wurde ich jäh gebremst, weil ein großer Rabe auf dem Rand des Papierkorbs balancierte. Ich blieb natürlich stehen - bei Raben muss man einfach stehen bleiben und innerlich "meine Verehrung" murmeln. ISSO.

Obwohl er mir den Rücken zukehrte und ich auf leisen Sohlen angekommen war, merkte er wohl doch meine Anwesenheit und drehte sich ein wenig zu mir, um dann abzulassen vom Papierkorb und auf den Rasen zu hüpfen und dort im Gras zu picken, als wäre er nie beim Papierkorb gewesen.

dumdidum ...

Als ich dann im Zimmer im ersten Stock angelangt war, sahen wir den großen Raben in der wunderschönen Rotbuche sitzen. Zwei Äste weiter saß ein Eichelhäher, der aber plötzlich von einem zweiten Raben verscheucht wurde. Komisch, im Innenhof haben wir noch nie einen Raben gesehen, aber heute gleich zwei.




* Eine Zeitlang sah ich regelmäßig einen Bewohner in einem geöffneten Zimmer sitzen, wobei ich zunächst dachte, er wäre auch immer grad zu Besuch da. Wie wir dann erfuhren, war er aus einem Hospiz eingeliefert worden. Es gibt eine Zeitbegrenzung - die Patienten werden dort nur für
ein halbes Jahr aufgenommen. Neulich wollte meine Mutter grad Geschirr wegbringen, als gleichzeitig ein Sarg gebracht wurde. Der besagte Bewohner war gestorben (mit 60 Jahren an Krebs).

* Heute stand ich etwas neben mir und begleitete meine Mutter mit einer gewissen Weltuntergangsstimmung ins Heim. Unterwegs und im Heim hatten wir aber einige erbauliche Begegnungen und auf meinem Rückweg ging das so weiter und mir fiel der Tipp des Tages ein: Wenn man sich um seine Mitmenschen kümmert, vergisst man seinen eigenen Kummer.

* Eines Tages wurde mal die Idee eines Himmels in die Tat umgesetzt, weil  mein Vater auffallend oft und intensiv zur Decke schaute. Ein blaues Tuch wurde mit Pflasterstreifen an der Zimmerdecke befestigt. Es hielt nur kurze Zeit und jetzt sieht man noch die vielen Pflasterstreifen an der Zimmerdecke. Aber er braucht keinen äußeren Himmel mehr,er hat schon längst seinen inneren Himmel gefunden, so glückselig schaut er nach oben, als wären dort die schönsten Wesenheiten, die man sich nur vorstellen kann.

*
Schade, dass es keinen festangestellten Gärtner mehr gibt. In größeren Abständen kommt eine Fremdfirma. So blieb der abgebrochene Ast im Baum hängen, lag die tote Taube über eine Woche im Beet beim Seiteneingang und wird die große Blumenschale wohl erst nach den Eisheiligen von den lange verrotteten Pflanzen befreit. - Den abgebrochenen Ast hab ich dann selbst aus dem Baum geholt und die tote Taube an der Rezeption gemeldet. Als ich an die Blumenschale ging, um zu prüfen, wie fest das Verwelkte noch sitzt und ob man es vielleicht im Vorbeigehen so nach und nach entfernen könne, hat die Frau Mama ihr Veto eingelegt: wie sieht das denn aus, wenn Du hier rumwühlst?

*
Einmal saß ich etwas zusammengesunken hinter dem Bett meines Vaters und eine Schwester brachte das Abendbrot. Sie fragte, ob der junge Mann auch einen Tee haben möchte. Das ist doch meine Tochter - war die prompte Antwort meiner Mutter. Oh, das hatte gesessen! Wurde diese Schwester als Kind doch selbst mal für einen Jungen gehalten, obwohl sie einen Rock anhatte. Das fand sie so furchtbar und sie kann das auch gar nicht vergessen. Und dann sowas! Und das ausgerechnet ihr.

* Wir landen immer gegen Ende der Mittagsruhe im Heim. Bislang waren wir dann fast die einzigsten auf dem Gelände. Wenn die Wintersonne schien, traute sich eine Dame im Rollstuhl in den Innenhof, um sowohl die Sonne als auch uns anzustrahlen. Die letzten milden Frühlingstage haben noch mehr Heimbewohner hervorgelockt. Das ist gut. Es geht bergauf!

* Kommentar: Heimgeschichten sind keine Einbildung. Heimgeschichten sind eine Frage der Existenz und wollen bearbeitet werden. (by Onkel Sim)

* Leben mit Demenz - das Pflegeheim Sonnweid bei Zürich gilt als eine der besten Demenz-Einrichtungen weltweit.

http://www.spiegel.de/spiegelwissen/0,1518,680225,00.html


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* Die Kunst des Anreichens. Das Füttern wird im Heim "Anreichen" genannt. Meine Mutter ließ es sich nicht nehmen, das immer selber zu machen. Als sie letztes Jahr plötzlich ins Krankenhaus musste, bat sie mich, das für sie zu übernehmen. Es ist eine hohe Kunst und erfordert sehr viel Geduld, wie bei den Babys - das hatte ich damals schon fast vergessen. Mein Vater behielt jeden Bissen lange im Mund, um ihn ganz genüßlich immer wieder zu wenden. Wenn ich mich in Ruhe darauf einließ, war es wie eine Meditation ...

* Es gibt einen dunkelhäutigen Ausbildungsleiter im Heim, der selber oft mit anpackt, wenn Not an Mann ist. Eines Tages erzählte er meiner Mutter: Ihr Mann wäre der einzige im Heim, der ihn immer anstrahlt. Wir waren so baff! Welch eine Wandlung! Mein Vater mochte sein Leben lang keine Ausländer und manchmal setzte er sich in Bus und Bahn sogar woanders hin, wenn ein Ausländer sich zu ihm setzen wollte. Mann, was hab ich immer gelitten, wenn ich dabei war. Manchmal dachte ich, ich könnte ihm alles verzeihen, aber das könnte ich ihm nie verzeihen.

* Auch wenn jemand offensichtlich regelmäßig aus dem Bett fällt, darf nicht so ohne weiteres ein Schutzgitter angebracht werden. Das erfordert erstmal eine Genehmigung vom Amtsgericht. Und wenn die Heimbewohner zwischendurch ins Krankenhaus eingeliefert werden, muss man wirklich drauf bestehen, dass ein Gitter angebracht wird. Wenn das ohne die Genehmigung gemacht würde, wäre das strafbar - Freiheitsberaubung. Dabei ist das Gitter gar nicht hoch, es fällt einem nicht als eine Freiheitsberaubung auf. Wenn ein kranker Mensch plötzlich Kräfte entwickelte, könnte er da wahrscheinlich noch drüberkrabbeln. - Am schlimmsten war es nachts, da fiel mein Vater zuletzt schon in der Wohnung regelmäßig aus dem Bett. Und bis die Genehmigung endlich da war, fiel er auch im Heim und im Krankenhaus weiterhin raus. Als einzige Vorsichtsmaßnahme lag immer eine Matratze am Boden.

* Das größte Problem ist dieser Urinbeutel, der da gut sichtbar am Bett hängt. Als wir noch mit dem Rollstuhl raus konnten, wurde der Beutel im Hosenbein versteckt. Es gibt Schwestern und Pfleger, die können den Beutel leeren, als wär das nix. Dann gibt es welche, die können das einfach nicht und der Beutel droht irgendwann zu platzen. Eine der Schwestern kam zwar immer rein und zeigte ihren guten Willen, aber sobald die Gerüche ihr entgegenströmten, rannte sie raus - es sah so aus, als müsse sie sich übergeben.

* Heute sahen wir eine Bewohnerin und ihren Sohn, wie sie Arm in Arm ganz langsam den Flur entlanggingen. Eine Schwester kam hinzu und sprach den Sohn an. Er sollte nicht zu lange mit seiner Mutter auf und ab gehen. Das würde ihr Schmerzen bereiten, aber sie mag das dem Sohn nicht sagen. Sie erzählt es abends nur den Schwestern.

* Im Laufe von acht Jahren haben wir schon viele verschiedene Mitarbeiter/innen dort erlebt und immer wieder Zeitarbeiter und Lehrlinge
nur für kurze Zeitabschnitte. Inzwischen weiß man auch, wer mit wem gut kann oder weniger gut. Manchmal sind sie wie ausgewechselt, wenn sie mit bestimmten Kolleginnen/Kollegen zusammen arbeiten. Aber das ist ja wie überall, auch an den Kassen im Supermarkt fällt das immer mehr auf, manche können sich gegenseitig aufbauen und manche ziehen sich halt gegenseitig runter.

* Bei alten und kranken Menschen in Altenheimen, Pflegeheimen  oder sogenannten Krankenhäusern sollte es zur Gewohnheit werden, ihnen auch zwischendurch mal mit einem feuchten Tuch Gesicht, Arme und Hände abzureiben. Das belebt und sie ziehen dabei süße Grimassen, hihi ...

* Ich bewundere das Pflegepersonal. Schräg gegenüber vom Zimmer meines Vaters war ein Zimmer mit einer alten Dame belegt, die den ganzen Tag sehr energisch "Schwester" rief. Auch wenn eine Schwester neben ihr stand, rief sie immer noch lautstark "Schwester". Nun ist sie gestorben und die Nachfolgerin ruft immerzu "Hallo". Das ist nervig und man ertappt sich dabei, wie man anfängt dieses Rufen nachzuahmen.

* Da ich täglich eine Stipvisite bei meinem Vater im Pflegeheim mache, bekomme ich einiges mit, was in einer Seniorenwohnanlage so alles geschieht. Außerdem wohnt eine Tante von mir dort, bislang noch in einer eigenen Wohnung, aber sie liebäugelt schon mit der nächsten Stufe, einem Appartment, das ist dann ohne Küche.

Eines Tages wurden überall Rauchmelder eingebaut und als sie sich mal ein Brötchen in einer Bratpfanne aufrösten wollte, war sie derweil eingenickt und das Brötchen wurde schwarz, was Alarm auslöste und einen ganzen Feuerwehrzug in Bewegung setzte. Meine Tante wurde vom Klingeln an der Haustür geweckt und staunte über die vielen Feuerwehrmänner.



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Es findet sich alles wieder an!

7.2.2006    Bericht zur Lage der Nation:   

(Protokoll)

Heute morgen erhielt ich einen Anruf und dann schüttete jemand sein Herz aus. Jeden Tag 2x besucht sie ihren Ehemann im Pflegeheim. Er ist 82 Jahre alt und ist quasi ans Bett gefesselt. Mit einem Dauerkatheder oder wie sich das nennt und einem immer gut sichtbaren Urinbeutel am Bett hängend. Aber die eigentliche Ursache ihres Kummers liegt in der Scheiße begraben. Denn irgendwann ist es bei vielen alten Menschen soweit, dass sie sich selbst "bekoten", wie es offiziell heißt und wie wir mal in einem Vortrag erfuhren. Das wusste ich bis dahin noch nicht. Aber es entspricht wohl der Tatsache, dass die alten Menschen sich zurückentwickeln und irgendwie wieder zu Säuglingen werden.

In letzter Zeit war es fast täglich so, dass sie einen völlig verschmierten Ehemann vorfand. Und selbst, wenn die Pflegekräfte ihn zurechtgemacht hatten, hingen ihm noch Reste der Scheiße in Ohren, Nase, an den Händen und unter den Fingernägeln sowieso. Das Personal ist völlig überfordert. Als sie gestern morgen eine Schwester auf den Zustand der Ohren ansprach, war die Antwort, da müsste man wohl mal Q-Tips besorgen ...

Ave Maria!


30.4.2011 -  Jetzt sind 5 Jahre ins Land gegangen und er liegt immer noch dort, allerdings hat sich das obige Problem wegen zunehmender Ungelenkigkeit der Arme inzwischen erledigt. Zusätzlich hält er in jeder Hand ein Kuscheltier und ist somit eigentlich außer Gefecht gesetzt. Nur in sehr großen Abständen gelang es ihm trotzdem noch mit den Schläuchen zu spielen und den Blasenkatheter rauszureißen, die Magensonde aber noch nicht. Soweit dieser aktuelle Bericht zur Lage der Nation ...



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Und diesen Bericht hatte ich vor einiger Zeit mal entdeckt:

Schwester Elviras Gespür für das Glück

http://www.zeit.de/2006/18/Altenpflege




Die Johannes Passion - am Morgen des Karfreitag 2012 ist Helga hinübergegangen. Ich hatte überlegt, ob es ein Zeichen gab heute morgen. Ja, in einem Forum wurde ich an die Johannes Passion erinnert. Die hatte ich damals mit Helga in einer Lübecker Kirche gehört. Zusätzlich hatten wir jeder eine Musikkassette und hörten die Passion ohne Unterlass. Die Kassette hatte ich mal entsorgt, da ich kein Abspielgerät mehr besitze. Aber bei Youtube wurde ich fündig und hörte die Johannes Passion nach langer Zeit wieder.
Und Mittags kam der Anruf, dass sie gegangen ist.